"Grünes Blatt"
Der nachhaltige Newsletter von Lokay
Juni 2026
Liebe Leserinnen und Leser des Grünen Blattes,
es gibt Momente, die fühlen sich ungewohnt an. Für mich war die CosmeticBusiness vorletzte Woche in München so ein Moment.
Von meiner Zeit mit Lokay kenne ich es so: Wir wurden auf Messen als Umweltpioniere erkannt. In München war das anders. Da waren wir mit der D.O.G.-Gruppe die "Zugereisten", die sich erstmal beweisen müssen.
Dass wir Nachhaltigkeit auch bei Verpackungen und Beipackzetteln können – und eine Bereicherung auch für Naturkosmetikprodukte sind, mussten wir erklären.
Zum Glück ließ sich das gut mit einem unserer alkoholfreien Sommercocktails in der Hand besprechen.
Spannend fand ich in den Gesprächen, wie unterschiedlich weit die Naturkosmetikmarken sind. Langjährige Lokay-Kunden wie Weleda, Dr. Hauschka oder Santaverde beschäftigen sich konsequent mit Nachhaltigkeit. Sie hinterfragen Materialien, Prozesse und Verpackungen immer wieder neu und suchen systematisch nach Verbesserungen. Bei vielen anderen Marken steht das Thema dagegen noch am Anfang. Dort ist ein FSC-Siegel auf weißem Karton bislang das höchste der Gefühle. Dass Papier auch aus Silphie, Hanf oder anderen alternativen Fasern bestehen kann (siehe unser Artikel in diesem Newsletter), dass Verpackungen sogar mit dem Cradle to Cradle Certified® Siegel ausgezeichnet werden können oder bei Etiketten noch Potenziale schlummern, ist vielen nicht bewusst.
Aber wos ham's gmacht in München? Den Zugroasten zua'ghört hams!
Genau deshalb hat sich die Messe für uns gelohnt. Denn wir haben jede Menge Fragen mitgenommen, die ich jetzt auch Ihnen stellen möchte:
- Haben Sie Lust, über FSC hinauszudenken?
- Sind Sie offen für neue Materialien?
- Möchten Sie etwas entwickeln, mit dem Sie nachhaltig herausstechen?
Ja? Sauber! Dann lassen Sie uns ins Gespräch kommen!
Neugierige Grüße
Ihr Ralf Lokay
Kommentar von André Gaß
Öko-Institut-Studie: Print siegt im CO₂-Vergleich! Oder doch nicht?
Print oder Online – was ist umweltfreundlicher? Eine aktuelle Studie des Öko-Instituts Freiburg wird derzeit in den Medien als Beweis angeführt. Und der eindeutige Sieger der Schlagzeilen ist: Print.
Die Botschaft klingt zunächst eindeutig: "gedruckte Werbeprospekte [haben] einen fünffach geringeren Carbon Footprint als Online-Werbeprospekte".
Aber die Erkenntnis lautet auch, dass das Treibhausgas-Potenzial "stark von spezifischen Rahmenbedingungen abhängt".
Es gibt keinen automatischen Klimavorteil für Printwerbung. Genauso wenig gibt es ihn für digitale Werbung. Die Klimabilanz von Kommunikation hängt von vielen Faktoren ab. Wer daraus die einfache Regel „Print gut, Online schlecht“ ableitet, macht im Grunde denselben Fehler wie diejenigen, die jahrelang behauptet haben, Digital sei automatisch nachhaltiger, weil es immateriell ist.
Die Studie macht ihre Betrachtungsgrenzen transparent und genau das ist ihre Stärke. So wurde beispielsweise die Distribution gedruckter Werbemittel nicht berücksichtigt. Das Betrachtungsfeld einzugrenzen, ist kein Fehler, sondern Grundlage jeder wissenschaftlichen Untersuchung.
Untersucht wurde ausschließlich das Treibhausgaspotenzial bis zu dem Moment, in dem eine Werbung ausgeliefert wird (Impression). Untersucht wurde ausdrücklich nicht, ob die Botschaft tatsächlich wahrgenommen wird und wie viele Käufe die Werbung auslöst. Letztlich ist es aber die Wirkung, die zählt. Kommunikation, die ihr Ziel verfehlt, verschwendet Ressourcen – unabhängig davon, ob sie gedruckt oder digital ist.
Wie erzielt man Wirkung? Für Print sprechen sinnliche Haptik und physische Existenz, die nicht mit einem Klick oder Swipe verschwinden. Auch dazu gibt es zahlreiche Erhebungen. Die Vorteile bei Onlinewerbung liegen vor allem im exakten Targeting und Tracking. Wirkungsvoll können beide Wege sein.
Die Studie zeigt: Sowohl bei digitaler als auch bei gedruckter Werbung gibt es wirksame Stellschrauben, um die Umweltwirkung zu reduzieren – und es lohnt sich in beiden Fällen, diese zu nutzen.
Bei Werbebannern macht laut Studie das Endgerät der Nutzenden mit 78 % den größten Anteil an der Klimabilanz aus. Bei Printprodukten hingegen ist die Papierwahl der entscheidende Faktor: Wer auf Recyclingpapier setzt, verbraucht im Vergleich zu Frischfaserpapier 78 % weniger Wasser, 68 % weniger Energie und 15 % weniger CO₂-Äquivalente.
Auch die Energieversorgung wirkt sich auf die Gesamtbilanz aus – ein Kriterium, das bei der Wahl der Druckerei eine Rolle spielen sollte. Unsere Unternehmensgruppe etwa produziert vollständig mit Ökostrom.
Mit solchen Entscheidungen – bewusst getroffen, konsequent umgesetzt – lässt sich Werbung und Kommunikation deutlich klimafreundlicher gestalten. Egal ob digital oder print.
André Gaß, Geschäftsführer der D.O.G. Firmengruppe
Alternative Fasern: Nachhaltige Innovation oder nur eine gute Story?
Gras, Hanf, Silphie, Algen, Kiwi oder sogar alte Kaffeebecher – noch nie gab es so viele Alternativen zur klassischen Papierfaser. Und klingen sie nicht auch nachhaltiger als ganz normales Recyclingpapier?
Wie so oft lautet die Antwort: Es kommt darauf an.
Denn nicht die Pflanze entscheidet über die Nachhaltigkeit eines Papiers, sondern das Gesamtsystem dahinter. Wie hoch ist der tatsächliche Anteil der alternativen Fasern? Besteht der Rest aus Recyclingpapier oder aus Frischfaser? Funktioniert das Material im Recyclingkreislauf? Und wie wird es produziert?
Wir geben einen Überblick und ordnen für Sie ein!
Der Klassiker: Graspapier
Graspapier hat alternative Fasern bekannt gemacht. Es punktet mit regionalem Anbau, einer markanten Optik und einer Geschichte, die Nachhaltigkeit sichtbar macht.
Was weniger bekannt ist, dass die Grasfasern relativ kurz sind. Deshalb enthalten viele Graspapiere nur einen begrenzten Anteil Grasfasern (ca. 35-50%) und zusätzlich Frischfasern. Außerdem ist noch nicht abschließend geklärt, wie sich Grasfasern langfristig auf den Papierrecyclingkreislauf auswirken.
Die Nachfolgerin: Silphie
Für viele ist Silphie das „nächste Graspapier“. Die mehrjährige Pflanze wird regional angebaut, wächst schnell und wird zunächst zur Energiegewinnung genutzt. Anschließend werden die verbleibenden Fasern für die Papierherstellung verwendet. Diese Kaskadennutzung macht Silphie besonders interessant. Wir sind große Fans!
Der Newcomer: Paludi
Noch jünger ist Paludi-Papier. Die Fasern stammen Schilf oder Rohrkolben. Spannend bei Paludi: Der Umweltvorteil liegt hier nicht nur im Papier selbst. Die Fasern stammen aus wiedervernässten Mooren. Diese speichern große Mengen Kohlenstoff und gelten als wichtiger Hebel für den Klimaschutz. Paludi steckt noch in den Anfängen, könnte aber eine spannende Rolle im Markt der alternativen Fasern spielen.
Der Spezialist: Hanf
Hanf überzeugt mit einem hohen Faseranteil bis hin zu 100 Prozent Hanf. Das ist super! Die Fasern sind robust, können häufig recycelt werden und ergeben vergleichsweise helle Papiere, die sich gut bedrucken lassen.
Der Nachteil: Hanfpapiere sind deutlich teurer und deshalb eher etwas für besondere Projekte.
Einer unserer Lieblinge: CoffeeCup Paper
Nicht jede gute Nachhaltigkeitsgeschichte braucht alternative Pflanzenfasern.
CoffeeCup Paper wird aus recycelten Einweg-Kaffeebechern hergestellt und verbindet gleich mehrere Vorteile: 100 Prozent Recyclinganteil, Blauer Engel, gute Bedruckbarkeit und eine überzeugende Upcycling-Idee. Die Optik bleibt dabei vergleichsweise zurückhaltend, sodass das Papier für viele Anwendungen geeignet ist. Preisgünstig ist es übrigens auch!
Die Exoten: Obst, Algen, Jeans & Co.
Der Markt wird immer kreativer. Algenpapier, Kiwi Crush, Apfelleder (toll aus Bucheinband!), Kirschpapier oder Papiere aus alten Jeans zeigen, wie vielfältig die Suche nach neuen Rohstoffen geworden ist.
Besonders spannend sind Papiere aus Fruchttrester, also Rückständen aus der Saftproduktion. Hier werden vorhandene Reststoffe weiter genutzt, statt neue Rohstoffe anzubauen. Wir schauen uns jedes einzelne Material ganz genau an und erklären Ihnen gern die spezifischen Vor- und Nachteile.
Unser Fazit
Alternative Fasern bringen frische Ideen in den Markt. Sie machen Nachhaltigkeit sichtbar, erzählen spannende Geschichten und treiben Innovationen voran. Das finden wir toll. Gleichzeitig lohnt sich ein genauer Blick. Denn ein Papier wird nicht automatisch nachhaltig, nur weil Gras, Hanf oder Algen darin stecken.
Deshalb bleibt Recyclingpapier mit Blauem Engel für uns der Maßstab, an dem sich neue Lösungen messen lassen müssen. Alternative Fasern können eine hervorragende Ergänzung sein – vor allem dann, wenn hinter der guten Story auch eine überzeugende Umweltleistung steckt.
Ruhm & Ehre gefällig? Werden Sie Recyclingpapier-Champion 2026!
Sie setzen bereits konsequent Recyclingpapier mit dem Blauen Engel ein? Dann wird es Zeit, dafür Anerkennung zu bekommen.
Die Initiative Pro Recyclingpapier und das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) zeichnen 2026 erstmals Unternehmen aus, die sich besonders für eine nachhaltige Papierbeschaffung engagieren. Gesucht werden in zwei Kategorien langjährige Vorreiter sowie Unternehmen, die erst kürzlich auf Recyclingpapier umgestellt haben.
Die Bewerbung ist unkompliziert: Benötigt werden ein kurzes Unternehmensprofil, ein Leadership-Statement und ein Praxisbeispiel.
Wir finden: Gute Nachhaltigkeitsleistungen sollten sichtbar sein. Deshalb möchten wir unsere Kund:innen ausdrücklich zur Teilnahme ermutigen.
Holen Sie sich den Titel! Wir drücken Ihnen garantiert die Daumen.
Bewerbungsschluss ist Ende Juni 2026. Die Preisverleihung findet im Herbst im Bundesumweltministerium in Berlin statt.
Fahrradaktionstag in der D.O.G.: Den Arbeitsweg neu entdecken
Neben der regen Teilnahme haben uns die Rückmeldungen danach besonders gefreut:
Unsere Kolleg:innen berichteten, dass sie ihren Arbeitsweg plötzlich ganz anders wahrgenommen haben. Da wurde ein schöner Weg durch den Wald entdeckt oder die Umgebung auch einfach nur bewusster erlebt als aus dem Auto heraus.
Deshalb empfehlen wir einen Fahrradaktionstag auch anderen Unternehmen. Der organisatorische Aufwand ist gering, die Aktion schafft Gemeinschaftsgefühl und motiviert dazu, das Auto öfter mal stehen zu lassen. Und das ist gut für Gesundheit und Umwelt!
Aus Gründen der einfacheren Lesbarkeit wird teilweise lediglich die weibliche Form verwendet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzlich für alle Geschlechter. Die verkürzte Sprachform hat allein redaktionelle Gründe und beinhaltet keine Wertung.
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